In der Nacht zum 22. Juni 1941 griff Deutschland die Sowjetunion an und führte in den eroberten Gebieten einen beispiellosen Vernichtungskrieg. Tausende Dörfer und Städte wurden zerstört. Mindesten 27.000.000 Menschen wurden ums Leben gebracht.
Doch der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion setzte sich auch im Deutschen Reich fort. 5.000.000 Menschen mussten im Deutschen Reich Zwangsarbeit leisten. Ihr Leben war geprägt von harter Arbeit, mangelnde Versorgung und rassistischer Verfolgung. Viele Menschen, die Zwangsarbeit leisten mussten, starben an Hunger und Krankheiten, bei Arbeitsunfällen oder bei Fliegerangriffen, denen sie schutzlos ausgesetzt waren. Besonders hart war das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen.
Mit einer Namenslesung soll an die sowjetischen Kriegsopfer erinnert werden, die, oft namenlos, auf dem Ausländerfriedhof begraben wurden. Heute ist der Friedhof als Internationalen Friedhof am Rennweg in Dortmund bekannt.
Bei dieser Lesung werden am 21. Juni 2026 von 14 bis 20 Uhr die Namen von 4.472 sowjetischen Kriegsopfern vorgetragen, die auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg in Dortmund begraben wurden.
Gemeinsam erinnern: der Historische Verein Ar.kod.M, das Dortmunder Friedensforum, das Bündnis Dortmund gegen Rechts sowie die Dortmunder Gruppen von IPPNW, attac, VVN-BdA und DFG-VK und die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen NRW
Anlässlich des 85. Jahrestags des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion wollen wir mit der Verlesung der 4.472 uns bis heute bekannten Namen an die Menschen erinnern, die aus der Sowjetunion zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden und in Dortmund ums Leben kamen.
Ehrenmahl auf dem Internationalen Friedhof in Dortmund
Am 22. Juni 1941 griff Deutschland die Sowjetunion an und überzog die eroberten Gebiete mit einem bespiellosen Vernichtungskrieg. Die sowjetische Gesellschaft sollte zerstört und die Eliten sollten vernichtet werden. Die Menschen sollten verhungern oder versklavt werden oder aus ihrer Heimat vertrieben werden. Die Wehrmachtsführung erarbeitete die Befehle für diese Kriegsführung. Diese Befehle verlangten rücksichtsloses Durchgreifen gegen die einheimische, insbesondere die jüdische Bevölkerung, sie ermöglichten die massenhafte Ermordung von Zivilist*innen und Kriegsgefangenen. Mindesten 16.000.000 Zivilistinnen und Zivilisten und 11.000.000 Rotarmistinnen und Rotarmisten wurden während des Krieges gegen die Sowjetunion ums Leben gebracht.
Millionenfache Zwangsarbeit im Deutschen Reich
Doch dieser Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion setzte sich auch im Deutschen Reich fort. Mindestens 5.000.000 Menschen aus der Sowjetunion mussten in Deutschland Zwangsarbeit leisten. Sie wurden überall eingesetzt: in der Rüstungsindustrie, in kommunalen und kirchlichen Einrichtungen, in der Landwirtschaft, bei der Reichsbahn, in Handwerksbetrieben, in Fabriken und Stahlwerken und im Bergbau. Sie waren für die deutsche Bevölkerung überall sichtbar. Es waren vor allem Mädchen und junge Frauen, aber auch Jungen, Familien und alte Menschen wurden ins Deutsche Reich verschleppt. Das Leben dieser Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen war geprägt von harter Arbeit, schlechter Verpflegung, mangelnde gesundheitlicher Versorgung, rassistischer Verfolgung und ständigen Demütigungen. Die Menschen starben an Hunger, an nicht behandelten Krankheiten, bei Arbeitsunfällen oder bei Fliegerangriffen, denen sie schutzlos ausgesetzt waren. Die Verstorben wurden oft ohne Nennung ihres Namens am Rand eines nahegelegenen Friedhofs begraben.
Sinaida Bakumenko stammte von der Krim. Sie musste auf der Zeche Westhausen I Zwangsarbeit leisten. Sinaida starb am 8. März 1945 im Bombenhagel. Sie wurde auf dem Internationalen Friedhof auf Feld 13 begraben. Sinaida war 22 Jahre alt.
Grigorij Petrischin stammte aus dem Kreis Petrow im Westen Russlands. Er muss für den Dortmund-Hörder Hüttenverein Zwangsarbeit leisten. Grigorij starb in der Nacht zum 11. September 1942. Er wurde auf den Internationalen Friedhof in Dortmund auf Feld 4 begraben. Grigorij war 16 Jahre alt.
Auch nahezu 2.000.000 sowjetische Kriegsgefangene mussten während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten. Sie wurden in Kriegsgefangenenlagern (Mannschaftsstammlager, abgekürzt Stalag) gefangen gehalten. In den von der Wehrmacht verwalteten Lagern waren Gefangene aus Polen, Frankreich, Belgien, Italien, Serbien und der Sowjetunion nach Nationalitäten getrennt untergebracht. Eines dieser Lager war das Stalag VI D an der Dortmunder Westfalenhalle. Hunderttausende Kriegsgefangene durchliefen von 1939 bis 1945 das Lager, dem am 1. September 1944 rund 78.000 Männer zugewiesen waren. Von dort wurden die Gefangenen in Arbeitskommandos im Ruhrgebiet, Münsterland und Sauerland gebracht, wo sie in Industrie, Landwirtschaft sowie öffentlichen Einrichtungen und für die Wehrmacht Zwangsarbeit leisten mussten. Das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen war besonders schwer. Anders als Gefangene anderer Nationen wurden ihnen die Rechte der Genfer Konvention aus rassistischen Gründen verweigert. Die Nationalsozialisten betrachteten sie als „Untermenschen“ und versorgten sie nur unzureichend mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Viele starben an Hunger, Krankheit und den Folgen harter Arbeit.
Iwan Samsonenko stammte aus dem Dorf Strochowo im Gebiet Kiew. Am 5. Juli 1941 geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er starb am 7. Mai 1942 im Stalag VI D in Dortmund und wurde auf dem Internationalen Friedhof auf Feld 2 beerdigt. Iwan war 21 Jahre alt.
Wasilij Ageew stammte aus Tatarstan. Er geriet im Juli 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er starb im Dezember 1941 im Stalag VI D in Dortmund und wurde auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg in Dortmund beerdigt. Wasilij war 22 Jahre alt.
In Dortmund begrub man die meisten verstorbene sowjetische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen(Kriegsgefangene sowie Zivilarbeiter*innen und deren Kinder) auf dem Ausländerfriedhof. Heute ist der Friedhof als Internationaler Friedhof am Rennweg bekannt.
Nikolaj Scharpan wurde am 16. März 1944 in Dortmund geboren. Seine Mutter musste Zwangsarbeit auf der Hoesch Westfalenhütte leisten. Nikolaj starb am 21. September 1944. Er wurde auf dem Internationalen Friedhof auf Feld 9 begraben. Insgesamt sind 117 Kindern auf dem Internationalen Friedhof beerdigt.
Erinnern und Gedenken an Opfer des Krieges
Die heute als Internationaler Friedhof am Rennweg bekannte Begräbnisstätte wurde ursprünglich 1922 als jüdischer Friedhof angelegt. Nach der Vertreibung und Ermordung der Dortmunder Jüdinnen und Juden wurde er zum Ausländerfriedhof. Hier wurden Menschen begraben, die zur Zwangsarbeit nach Dortmund verschleppt worden waren. Zwei Ehrenanlagen erinnern an polnische und serbische Kriegsopfer. Doch auch die ausgedehnten Rasenflächen sind Gräber. Dort ruhen mehrere Tausend Menschen aus der Sowjetunion, die zur Zwangsarbeit ins Ruhrgebiet verschleppt wurden und in Dortmund ums Leben kamen. Der Internationale Friedhof im hinteren Teil des heutigen jüdischen Friedhofs ist eine Kriegsgräberstätte.
Gräberfeld auf dem Internationalen Friedhof
Gab es ursprünglich noch Grabkennzeichnungen an den Gräbern, so wurde der Friedhof in den 1960er Jahren neu gestaltet. Das Mahnmal für die sowjetischen Kriegsopfer, wurde auf den Ausländerfriedhof umgesetzt. Ursprünglich befand es sich am Haupteingang des Hauptfriedhofs. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde es von überlebenden sowjetischen Bürger*innen als Erinnerung und Mahnung errichtet. Für die Neugestaltung des Friedhofs waren das Dortmunder Friedhofsamt und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zuständig. Die gekennzeichneten Einzelgräber sowjetischer Kriegsopfer wurden eingeebnet. So entstanden nicht mehr erkennbare, namenlose Gräber auf den weitläufigen Rasenflächen.
Die Einzigartigkeit eines Menschen bewahren
Doch Namen bewahren das Gedenken. Sie verbinden die Lebenden mit den Toten, sie bewahren die Identität eines Menschen und tragen die Erinnerung über seinen Tod hinaus. Immer noch fehlt für die meisten sowjetischen Kriegsopfer auf dem Internationalen Friedhof eine namentliche Erinnerung. Mit der Verlesung der 4.472 uns bis heute bekannten Namen erinnern wir an Menschen, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden und in Dortmund ums Leben kamen. Das Gedenken an sie ist Ausdruck von Respekt und Würde und zugleich ein Zeichen gegen Krieg, Rassismus und die Missachtung der Menschenwürde sowie für Frieden und Verständigung.
Wer heute den Friedhof am Rennweg in Dortmund betritt, findet im hinteren Teil eine parkähnliche Anlage und weitläufige Rasenflächen vor. Der Friedhof wurde 1922 westlich vom eigentlichen Hauptfriedhof als jüdischer Friedhof angelegt. Nachdem die jüdischen Bürgerinnen und Bürger durch Deportation in den Tod geschickt worden waren, wurde der Friedhof zum Ausländerfriedhof. Er diente als Beerdigungsort für Menschen, die zur Zwangsarbeit nach Dortmund verschleppt wurden. Zwei Ehrenmale erinnern an die Kriegsopfer aus Polen und aus Serbien. Sie tragen die Namen von 157 polnischen und 106 serbischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen.
Die weitläufigen Rasenflächen sind Gräberfelder
Doch auch die weitläufigen Rasenflächen sind Gräberfelder. Hier ruhen mehrere tausende Menschen, die aus der Sowjetunion zur Zwangsarbeit ins Ruhrgebiet verschleppt wurden und in Dortmund ums Leben kamen. In den 1960ziger Jahren wurde dieser Teil des Ausländerfriedhofs neugestaltet. Die mit Kreuzen und anderen Markierungen gekennzeichneten Einzelgräber ebnete man ein. Es entstanden ausgedehnte Rasenflächen. Das Mahnmal, das heute auf dem Friedhof steht, setzte man auf den Ausländerfriedhof um. Es befand sich ursprünglich an exponierter Stelle am Haupteingang des Hauptfriedhofs. Dort wurde es kurz nach dem Krieg von überlebenden sowjetischen Bürger und Bürgerinnen errichtet, zur Erinnerung und Mahnung für die Dortmunder und Dortmunderinnen.
Nur wenige namentliche Erinnerungen
Der Ausländerfriedhof am Rennweg wird heute Internationaler Friedhof genannt. Wer diesen Friedhof am Rennweg betritt, findet nur wenige namentliche Erinnerungen an die sowjetischen Kriegsopfer. Doch bereits seit 2014 ist die Aufstellung von Namenstelen aus Marmor auf den Gräberfeldern sowjetischer Kriegsopfer geplant. Es wurde bisher aber aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt.
2021 hat der Historische Verein Ar.kod.M e.V. das Projekt „Holz ist kein Marmor“ ins Leben gerufen. Es wurde begonnen, um gegen die schleppende Aufstellung der marmornen Namensstelen ein Zeichen zu setzen. Auf jedem Gräberfeld sollte jeweils für den ersten und für den letzten Menschen, der auf dem jeweiligen Gräberfeld begraben wurde, eine Holztafel mit seinem Namen aufgestellt werden.
32 Holztafeln auf dem Internationalen Friedhof
Inzwischen stehen 32 Holztafeln auf den Gräberfeldern des Internationalen Friedhofs. Erinnert wird an sowjetische Kriegsgefangene und an sowjetische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen und ihre Kinder. Diese Menschen mussten in Dortmund Zwangsarbeit leisten, ihnen wurden alle Menschenrechte abgesprochen. Sie litten unter harter Arbeit, fehlender Versorgung und rassistischer Verfolgung. Mehrere Tausend kamen in Dortmund ums Leben. Sie fanden ihr Grab auf dem Internationalen Friedhof.
Wir stellen hier sieben Menschen vor, die auf dem Internationalen Friedhof beerdigt sind und für die im Rahmen des Projekts „Holz ist keine Marmor“ hölzerne Namenstafeln aufgestellt wurden.
Alexej Schwez war 40 Jahre alt, als er am 6. November 1943 im Mannschaftsstammlager (Stalag) VI D an der Westfalenhalle in Dortmund starb.
Er stammte aus Gebiet Nikolajew in der Ukraine. Wann und wo er in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet, wissen wir nicht. Im Sommer 1942 wurde er in das Mannschaftstammlager (Stalag) 326 (VI K) Senne in Ostwestfalen gebracht und unter der Nummer 26621 registriert. Hunderttausende sowjetische Kriegsgefangene durchliefen das Stalag 326 auf dem Weg in die Arbeitskommandos auf den Zechen und in den Rüstungsbetrieben im Ruhrgebiet.
Schwerste Arbeit auf den Zechen des Ruhrgebiets
Die Arbeitsbedingungen auf den Zechen und Betrieben waren sehr hart, ebenso wie die Lebensbedingungen im Arbeitskommando. Obwohl die Männer schwerste Arbeit leisten mussten, erhielten sie Rationen von täglich 2400 Kalorien. Auch die erforderliche Arbeitskleidung erhielten sie sehr oft nicht. Vor und nach der Arbeit mussten sie bei Appellen bei jedem Wetter, in Regen, Schnee oder brennender Sonne, stramm stehen. In den Arbeitskommandos waren sie Baracken untergebracht, die mit bis zu 300 Männern belegt waren. Viele Männer wurden durch die schweren Arbeits- und Lebensbedingungen krank.
Tod im Lazarett
Viele wurden in das Lazarett des Stalag VI D gebracht. Die Gesundheitsversorgung dort war sehr mangelhaft, es gab kaum Medikamente. Der Gesundheitszustand der Kranken verschlechterte sich wegen der fehlenden Versorgung auch im Lazarett oft noch stetig. So starben viele sowjetischen Kriegsgefangenen im Lazarett des Stalag VI D. Die Verstorbenen wurden auf dem Internationalen Friedhof begraben. In das Sterbebuch für „Russische Kriegsgefangene“ trug das Friedhofsamt der Stadt Dortmund sie mit dem Vermerk „Unbekannt Stalag VI D“ ein. Insgesamt finden sich im Sterbebuch mehr als 3000 Einträge mit diesem Vermerk.
Alexej Schwez starb am Nachmittag des 6. Novembers 1943 im Mannschaftsstammlager (Stalag) VI D Dortmund an Lungen-Tbc.
Für die erste Woche im November 1943 gibt es 6 Einträge im Sterbebuch mit dem Vermerk „Unbekannt Stalag VI D“, sein Name wird nicht genannt. Er wurde am 6. November 1943 auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg auf Feld II, Grab 1894 beerdigt.
Michail musste auf der Zeche Kaiserstuhl Zwangsarbeit leisten. Er war 22 Jahre alt als er im Bombenhagel in Dortmund starb.
Michael wurde am 8. Oktober 1921 in Dorf Timanowka bei Kiew geboren. Nach seiner Schulzeit machte er eine Ausbildung zum Schlosser. Am 17. April 1941 wurde er zum Militärdienst nach Batumi in Georgien, das damals zur Sowjetunion gehörte, einberufen. Der Angriff Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 gab auch seinem Leben eine tragische Wende.
Schon im August 1941 geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft. Zunächst kam er in ein frontnahes Lager (Frontstalag) 333 in Ostrow-Mazowiecka in Polen und im September 1941 in das Mannschaftsstammlager (Stalag) 310 (XI C) nach Bergen-Belsen in Niedersachsen.
Er wurde unter der Erkennungsmarke-Nr. 13982 registriert und leistete Zwangsarbeit in Bau Bataillon 151 bei Altengrabow im heutigen Sachsen-Anhalt. Im Dezember 1942 brachte man Michail in das Stalag VI A im sauerländischen Hemer und von dort sofort in das Arbeitskommando 607R Zeche Kaiserstuhl in Dortmund.
Die Zeche Kaiserstuhl war damals in Besitz von Hoesch. Auf den Zechen des Ruhrgebiets herrschte, durch die Einberufung junger Bergleute zur Wehrmacht, Arbeitskräftemangel, der durch den Einsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen behoben werden sollte.
Tod im Arbeitskommando
In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1943 erlebte Dortmund einen schweren Bombenangriff. Getroffen wurde die Nordstadt, die Westfalenhütte und die Zeche Kaiserstuhl I und II. Bei diesem Bombenangriff Michail starb zusammen mit 193 weiteren Kriegsgefangenen des Arbeitskommandos 607R. Dem Bombenhagel waren die Männer schutzlos ausgesetzt. Sie durften keine Schutzräume aufsuchen. In das Sterbebuch für „Russische Kriegsgefangene“, das die Stadt Dortmund führte, wurden die 194 Getöteten nicht eintragen. Ihr Tod wurde von der Wehrmacht, der sie unterstanden, an die Wehrmachtsauskunftstelle gemeldet.
Die sterblichen Überreste der 194 getöteten sowjetischen Kriegsgefangenen wurden auf Feld 4 des Internationalen Friedhofs ohne Nennung der Namen begraben. Michael war einer von ihnen.
Am 2. November 1943 wagten Iwan Pestrikow und Wassilij Wasiko gemeinsam die Flucht. Beide verloren an diesem Tag ihr Leben.
Iwan PestrikowWassilij Wasiko
Iwan Pestrikow stammte aus dem Dorf Sawjalowo im Gebiet Kirow, tausend Kilometer nordöstlich von Moskau. Dort wurde er am 9. Juli 1913 geboren. Er arbeitete in einem landwirtschaftlichen Betrieb, als er im Frühsommer 1941 mobilisiert wurde. Am 22. Juni überfiel Deutschland die Sowjetunion und begann einen Vernichtungskrieg. Bereits 11 Tage nach Kriegsbeginn geriet Iwan, am 3. Juli 1941 in Lettland, in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Wassilij Wasiko stammte aus dem Dorf Gajschin im Gebiet Kiew, wo er am 18. November 1919 geboren wurde. Auch er arbeitete in der Landwirtschaft. Er wurde ebenfalls im Frühsommer 1941 mobilisiert. In der Ukraine, die zur Sowjetunion gehörte, tobten am Beginn des Krieges heftige Kämpfe. Wassilij wurde bereits 6. August 1941 von der Wehrmacht gefangen genommen
In Kriegsgefangenschaft
Iwan und Wassilij teilten das Schicksal der Kriegsgefangenschaft mit vielen anderen Rotarmisten. In den ersten Monaten des Krieges gerieten, während der großen Kesselschlachten bei Minsk, Smolensk, Kiew, Brjansk und Wjasma, 3.000.000 Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Gefangenen blieben unversorgt. Wer auf den Märschen in die frontnahen Lager zurückblieb, wurde erschossen. Die frontnahen Kriegsgefangenenlager waren nicht mehr als mit Stacheldraht eingezäuntes Gelände. Die Gefangenen starben in den Lagern an Hunger, Durst, fehlender Versorgung, an nicht behandelten Verwundungen und Seuchen. Bis zum Februar 1942 wurden 2.000.000 sowjetische Kriegsgefangene in den frontnahmen Lager der Wehrmacht ums Leben gebracht.
Iwan und Wassilij überlebten die ersten Monate ihrer Gefangenschaft. Sie mussten in Baukolonnen der Wehrmacht arbeiten. Als der Arbeitskräftemangel im Deutschen Reich immer größer wurde, brachte man sie, wie hunderttausende sowjetische Kriegsgefangene, ins Deutsche Reich.
Ankunft im Mannschaftsstammlager X B Sandbostel
Iwan und Wassilij kamen in das Mannschaftsstammlager (Stalag) X B nach Sandbostel in der Nähe von Hamburg. Im Sommer 1942 kamen dort viele tausende Männer an. Im Lager wurden sie registriert. Ihre Daten wurden in einer Personalkarte I erfasst und sie erhielten eine Erkennungsmarke mit einer Nummer. So erging es auch Iwan und Wassilij.
Wassilij erhielt die Erkennungsmarken-Nr. X B 126417 und Iwan die Erkennungsmarken-Nr. X B 132529. Das deutet darauf hin, dass Wassilij einige Wochen vor Iwan im Stalag X B Sandbostel ankam. Nach der Registrierung mussten sie in einem der vielen Arbeitskommandos zwischen Weser und Elbe Zwangsarbeit leisten.
Personalkarte I von Iwan PestrikowPersonalkarte I von Wassilij Wasiko
Auf den Zechen des Ruhrgebiets
Weil auf den Zechen im Ruhrgebiet Arbeitskräfte fehlten, wurden die Männer auf Bergbautauglichkeit gemustert. Alle bergbautauglichen Gefangenen kamen in das Stalag VI A nach Hemer im nördlichen Sauerland und von dort schnell in die Arbeitskommandos der Zechen im Ruhrgebiet. Diese Reise traten Iwan und Wassilij bereits gemeinsam an. Wahrscheinlich schlossen die beiden auf dem Transport ins Ruhrgebiet Freundschaft. Beide kam Ende August 1943 in das Arbeitskommando 756R Zeche Hansa nach Dortmund Huckarde.
Der Entschluss zur Flucht
Nach kurzer Zeit auf der Zeche fassten sie den Entschluss zur gemeinsamen Flucht. Sie wollten die bedrückenden Lebensverhältnisse, das ständige Strammstehen, die Schikanen und die rassistischen Demütigungen nicht mehr ertragen. Nachdem sie zwei Monaten im Lager waren, unternahmen sie gemeinsam am 2. November 1943 einen Fluchtversuch. Die Flucht gelang nicht. Beide wurden erschossen. Ihr Tod ist im Sterbebuch für „Russische Kriegsgefangene“ der Stadt Dortmund unter den Nummern 1991 und 1992 vermerkt. Auf ihren Personalkarten steht der Eintrag „ infolge Fluchtversuch auf der Flucht erschossen“.
Die Wehrmacht, der sie bis zu ihrem Tod unterstanden, sandte die Personalkarten mit einer Verlustliste an die Wehrmachtauskunftstelle. Iwan und Wassilij wurden am 4. November 1943 auf dem Internationalen Friedhof begraben. Da war Iwan 30 Jahre alt und Wassilij war 24 Jahre alt.
Mit der Aufstellung von zwei Namenstafeln hat der Historische Verein Ar.kod.M e.V. an Fedor Gurej und Michail Struss erinnert. Beide stammten aus der Westukraine. Sie kamen als Landarbeit ins Deutsche Reich. Wann sie ankamen, ob sie sich anwerben ließen oder gegen ihren Willen ins Deutsche Reich verschleppt wurden ist nicht bekannt.
Der Weg ins Deutsche Reich
Fedor Gurej wurde am 2. August 1919 in einem Dorf im Kreis Lemberg in der Westukraine geboren. Auf seinem Ärztlichen Gutachten vom April 1943 findet sich der Vermerk, dass er 18. 4. 1941 in der Entlausung war. Ein Schreibfehler oder hatte Feder bereits im April 1941 die Sowjetunion verlassen und war zur Arbeit als Landarbeiter in Deutsche Reich gekommen?
Michail Struss wurde im Jahr 1907 im Dorf Hamerec im Westen der Ukraine geboren, da gehörte der Westen der Ukraine, Galzien, noch zum Habsburger Reich. Nach dem ersten Weltkrieg hatte die Westukraine einmal mehr eine wechselvolle Geschichte. Zunächst wurde sie polnisch, dann kam sie 1939 zur Sowjetunion. Die Menschen mussten mit den wechselnden politischen Verhältnissen in ihrer Heimat zurechtkommen.
Wahrscheinlich waren Fedor und Michail in ihrer Heimat Bauern oder Landarbeiter. Auch im Deutschen Reich arbeiteten sie zunächst in der Landwirtschaft.
Zwangsarbeit auf Dortmunder Zechen
Doch als der Arbeitskräftemangel auf den Zechen des Ruhrgebiets durch die vermehrte Einberufung von Bergleuten zur Wehrmacht zunahm, mussten auch Fedor und Michael auf einer Zeche arbeiten. In Nazideutschland waren Fedor und Michail Ostarbeiter, daher waren sie der rassistischen Gesetzgebung für Zivilarbeiter aus der Sowjetunion unterworfen. Bevor sie auf die Zeche kamen, wurden sie auf Bergbautauglichkeit untersucht.
Arbeitskarte von Michail Struss
Michail war bergbautauglich. Am 27. November 1942 kam er auf die Zeche Fürst Hardenberg. Dort blieb er 14 Monate. Seine letzte Schicht macht er am 22. Januar 1944. Er erlitt an diesem Tag einen Arbeitsunfall an dem der am 27. Januar 1944 starb. Er war 37 Jahre alt.
Gesundheitszeugnis von Fedor Gurej
Fedor kam, nach einer Untersuchung auf Bergbautauglichkeit am 26. April 1943, auf die Zeche Zollern nach Bövinghausen, Schacht 2/4. Dort arbeitete er als Schlepper. Als Schlepper musste er die vollen Förderwagen aus dem Abbau ziehen und zu den Schächten befördern. Am 8. Mai 1943 wurde er nach Kirchlinde nach Zollern 1/3 versetzt. Auch hier arbeitete er als Schlepper. Am 15. Oktober 1944 erlitt er einen Unfall, an dem er starb. Da war er 23 Jahre alt.
Michail und Fedor wurden auf dem Ausländerfriedhof auf Gräberfeldern für sowjetischen Zivilarbeiter begraben. Ihre Namen sind auf keinem Grabmal verzeichnet. Nur zwei Holztafeln erinnern an sie.
Am 9. Mai 1945 endet der 2. Weltkrieg in Europa. Für die Menschen in Europa bedeutet dieser Tag Frieden und die Befreiung vom Faschismus. Dieser Sieg über den Faschismus war hart erkämpft. Zum 80. Jahrestag des Kriegsendes fand auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg in Dortmund eine Feierstunde statt. Bereits am Vormittag fand eine Kranzniederlegung zur Erinnerung an die Kriegsgefangenen des Stalag VI D am Gedenkstein an der Westfalenhalle statt.
Am Nachmittag wurde, während einer Feierstunde auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg, mit der Aufstellung zahlreicher Portraits der sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht, die in Dortmund ums Leben gebracht und ohne Nennung ihres Namens begraben wurden.
Nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion gerieten 5.000.000 Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Zweidrittel der Männer überleben die ersten Monate ihrer Gefangenschaft nicht. Wer überlebte, wurde von der Wehrmacht zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht, so auch nach Dortmund. In Dortmund wurden die Männer in das Kriegsgefangenlager Stalag VI D an der Westfalenhalle gebracht und von dort zur Zwangsarbeit in die Betriebe im östlichen Ruhrgebiet, im Sauerland und im Münsterland. Wenn sie, wegen der harten Arbeit und der völlig unzureichenden Ernährung nicht mehr arbeitsfähig waren, brachte man sie zurück in das Stalag VI D. In diesem Lager starben tausende Gefangene an fehlender Versorgung und nicht behandelten Krankheiten. Ihr Grab fanden die Männer auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg.
Bisher erinnert der Internationale Friedhof an eine Parklandschaft, es gibt nur wenige Erinnerungen an die Menschen, die hier begraben sind.
Mit der Aufstellung der Portraits sollte den Menschen, die oft ohne Nennung ihres Namens beerdigt wurden, ein Namen und ein Gesicht geben werden.
Am Karfreitag haben wir das Projekt „Holz ist keine Marmor“ fortgesetzt und vier Namenstafeln zur Erinnerung an vier Menschen aufgestellt, die auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg in Dortmund begraben sind. 4 Menschen – 4 Namen von mehr als 4700 inzwischen bekannten Namen. Noch finden sich auf dem Internationalen Friedhof sich nur wenige namentliche Erinnerungen an die sowjetischen Kriegsopfer. Wir haben am Karfreitag vier Menschen gedacht: Elena Stepanjek und Gennadij Karpowitsch, Grigorij Petrischin und Sergej Tschereschnin
Elena Stepanjek
Wir wissen wenig über Elena Stepanjek und die Umstände des Todes dieses kleinen Mädchens. Ihre Mutter war wohl Zwangsarbeiterin in Dortmund und brachte ihr Kind mit, in der Hoffnung es hier versorgen zu können. Das kleine Mädchen wurde hier Lina genannt, so steht es auf ihrer Sterbeurkunde. Dort steht: Mutter und Vater sind unbekannt. Starb das kleine Mädchen allein? War da keine Mama, die die Hand der kleinen Elena hielt, kein Papa, der das sein kleines Mädchen tröstete. Die kleine Elena starb in der Nacht zum 27. April 1945, kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs als Dortmund schon befreit war.
Gennadij Karpowitsch
Gennadij wurde im Jahr 1921 im Gebiet Minsk geboren. Er war in der Landwirtschaft tätig. Als Angehörige gibt er Anna Karpowitsch an, wahrscheinlich seine Mutter. Oft blieben die Frauen mit ihren Kindern allein zurück, ihre Söhne und Ehemänner waren als Soldaten im Krieg. Gennadij war 20 Jahre alt als er als Soldat in den Krieg ziehen musste. Am 15. Mai 1942 geriet er in Kertsch auf der Krim mit tausenden anderen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Schnell wurden die Gefangenen in das Kriegsgefangenenlager Stalag 326 Senne gebracht. Die Fahrt nach Westen, zusammengedrängt in Viehwaggons, ohne Wasser, ohne Nahrung, dauerte Tag. Geschwächt kamen die Männer im Spätsommer 1942 im Stalag 326 in der Senne an. Gennadij bleibt nicht lange im Stalag 326 in der westfälischen Senne. Er kam nach Dortmund in das Kriegsgefangenen Stalag VI D an der Westfalenhalle. Am 11. Oktober 1942 starb er in Dortmund. Er wurde anonym auf dem Ausländerfriedhof begraben.
Grigorij Petrischin und Sergej Tschereschnin
Grigorij und Sergej wurden als Jugendliche zur Zwangsarbeit nach Dortmund verschleppt. Die Beiden erlebten harte Arbeit, Schläge, schlechtes Essen und permanente Angst.
Grigorij wurde am 14. August 1926 geboren. Als er nach Dortmund kam war er 15 Jahre. Er war im Arbeitslager auf der Huckarder Straße und musste als Jugendlicher auf Union Zwangsarbeit leisten. Er starb in der Nacht zum 11. September 1942 im Arbeitslager Huckarder Straße. Da war er 16 Jahre.
Sergej wurde am 21. Dezember 1928 geboren. Er stammt aus Lischansk. Als er nach Dortmund kam war er 14 oder 15 Jahre alt. Er starb in der Nacht zum 23. Mai 1944 während eines Fliegerangriffs. Da war er 16 Jahre alt. Er starb im Bombenhagel, denn er durfte, wie alle Zwangsarbeiter*innen, die Schutzräume nicht aufzusuchen.
Mit der Aktion „Der letzte Weg“ sollte am 9. Mai, am Tag des Sieges über das todbringende Regime der Hitlerfaschisten, an die Menschen erinnert werden, die ihr Leben verloren haben.Am Gedenkstein an der Westfalenhalle, genau dort wo sich der Eingang zum Kriegsgefangenenlager Stalag VI D befand, wurde mit den Portraits von 80 dort verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen an die Leiden und den Tod tausender Menschen erinnern. Danach machten sich die Teilnehmer*innen auf den Weg zum internationalenFriedhof. Der Weg, den die Teilnehmer*innen zurücklegten, war für tausende Menschen ihr letzter Weg. Auf dem internationalen Friedhof am Rennweg stellten die Teilnehmer*innen die 80 Portraits der Kriegsgefangenen auf. Für kurze Zeit soll mit der Aktion „Der letzte Weg“ 80 von mehreren tausend Menschen ein Name und ein Gesicht geben werden.
Am 8. bzw. am 9. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Der Sieg der Alliierten über Nazideutschland brachte ganz Europa und auch den Menschen in Deutschland die Befreiung vom Faschismus. Dieser Sieg über Nazideutschland wurde hart erkämpft, viele Menschen haben dafür ihr Leben gegeben.
Einen sehr großen Anteil an diesem Sieg hatten die Menschen aus den unterschiedlichen Republiken der Sowjetunion – heute eigenständige Länder – Die Sowjetunion und die Rote Armee erkämpften diesen Sieg unter unsäglichen Opfern. 10.000.000 Rotarmistinnen und Rotarmisten verloren ihre Leben. Mindesten 17.000.000 Zivilistinnen und Zivilisten wurden ums Leben gebracht. Jede Familie in der ehemaligen Sowjetunion hat Opfer zu beklagen.
Das „Unsterbliche Regiment“
Der Tag des Sieges über den Faschismus ist in vielen Ländern ein Tag der Freude, der besonders feierlich begangen wird. So findet seit einigen Jahren in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion die zivilgesellschaftliche Aktion „Das Unsterbliche Regiment“ statt. Die Menschen erinnern sich und bewahren so die Geschichte ihrer Familienangehörigen, in dem sie auf den Straßen und Plätzen ihrer Stadt das Portrait ihrer Angehörigen zeigen.
Diesen Gedanken haben wir am 9. Mai aufgegriffen und 80 Portraits von sowjetischen Kriegsgefangenen angefertigt, die mit mehrere tausend anderen Kriegsgefangenen in Dortmund starben. In Dortmund befand sich ein großes Kriegsgefangenenlager, das Mannschaftsstammlager Stalag VI D. Männer aus Polen, Frankreich, Serbien, Italien waren in diese Lager eingesperrt. Das schrecklichste Schicksal hatten die sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Lager C waren. Sie wurden rassistische verfolgt, gedemütigt und verachtet, ihnen wurden alle Rechte von Kriegsgefangenen abgesprochen. Man brachte sie zur Zwangsarbeit in die Stahlwerke und Rüstungsbetriebe im Ruhrgebiet, in die Betriebe und Einrichtungen im Sauerland und im Münsterland. Tausende überlebten die Zwangsarbeit nicht.
Sie starben im Lazarett des Stalag VI D. Ihr letzter Weg führte sie vom Stalag VI D an der Westfalenhalle über die heutige B1 zum Ausländerfriedhof, wo sie anonym begraben wurden. Heute ähnelt dieser Friedhof einem Park, die Gräber der Verstorbenen sind eingeebnet, es gibt keine Grabsteine, keine Kreuze mit den Namen des Verstorbenen.
Gegen das Vergessen
79 Jahre nach der Befreiung Europas vom Faschismus erinnern sich viele Politiker nicht mehr daran, dass Millionen Sowjetsoldaten dafür ihr Leben gaben. Gegen das Vergessen soll hier nicht mehr gelten. Auch in Dortmund scheint diese Erinnerung nicht zu passen. Außer einem Gedenkstein gibt es keine Erinnerung an das Stalag VI D. Auf dem Internationalen Friedhof erinnert bis heute keine Grab, kein Kreuz und kein Grabstein namentlich an die sowjetischen Kriegsopfer, obwohl ihre Namen bekannt sind. Die lange geplanten Namensstelen wurden bisher nicht auf dem Internationalen Friedhof aufgestellt. Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern dazu werden nicht beantwortet
Die Stadtgesellschaft in Dortmund hat sich gegen das Auftreten von Nazis in ihrer Stadt gewehrt. Doch wer heute ernsthaft gegen Rechtsradikalismus demonstriert und nie wieder Faschismus will, muss sich erinnern, dass die Befreiung Deutschlands ungeheure Opfer der Alliierten und ganz besonders der Sowjetunion gefordert hat.